Was uns Bewegt
Mercosur ist eine internationale Wirtschaftsgemeinschaft
Der Name ist eine Abkürzung für: Mercado Común del Sur. Das bedeutet übersetzt „Gemeinsamer Markt des Südens“. Gründungsländer sind Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Ziel der Wirtschaftsgemeinschaft mit der EU ist es, schrittweise einen gemeinsamen Markt zu schaffen, die wirtschaftspolitischen Abstimmungen auszubauen, Rechtsvorschriften anzugleichen und den Schutz der Umwelt voranzutreiben.
Dazu gehört etwa, Zölle im Handel zwischen den Mercosur-Staaten abzuschaffen und dafür einen gemeinsamen Außenzoll und eine gemeinsame Handelspolitik mit Drittstaaten einzuführen. Das bedeutet, die Staaten hatten bei der Gründung das Ziel, einen Binnenmarkt mit dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitnehmern nach dem Vorbild der Europäischen Union zu schaffen.
Rund 25 Jahre dauerten die Verhandlungen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten über ein gemeinsames Handelsabkommen, am 28. Juni 2019 konnte eine Einigung erzielt werden. Nach weiteren Jahren des Ringens stimmten am 9. Jänner 2026 die EU-Botschafter mehrheitlich für eine Unterzeichnung des Abkommens durch Ursula von der Leyen. Österreich beharrte zwar weiter auf ein „Nein“, dies hatte aber keine Auswirkung auf die Abstimmung. Damit der Handelspakt aber tatsächlich in Kraft treten kann, muss auch das europäische Parlament zustimmen.
In der EU wurden die Klima-, Tierwohl- und Sozialstandards in den letzten Jahren laufend erhöht. Die Mercosur-Länder hinken diesen Entwicklungen noch hinterher. Stimmen aus der Politik befürworten den Deal auch punkto Landwirtschaft, mit der Begründung, dass Europa positiv auf die Mercosur-Staaten einwirken könne, bezüglich Abholzung des Regenwaldes, Tierwohl, Arbeitsbedingungen, etc.
Wie eine Recherche irischer Journalisten im Dezember 2025 ans Licht brachte, können Antibiotika und Hormone für die Rindermast dort völlig frei, einfach im Landhandel erworben werden.
Darüber hinaus ist die Rohrzucker- und Rindfleischproduktion in Südamerika viel kostengünstiger. Werden diese Produkte in die EU importiert, verursacht das einen großen Druck auf die heimischen Erzeugerpreise und die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Quelle: Landwirtschaftsministerium

„Unsere Produktion in Europa durch immer höhere Standards einzuschränken und gleichzeitig Handelsabkommen, die den Regenwald gefährden durchzupeitschen, passt nicht zusammen. Wir sollten den Fokus auf einen starken Binnenmarkt und Versorgungssicherheit richten“.
„Wenn wir in Europa einen nachhaltigen Weg in der Landwirtschaft gehen wollen, muss das auch in Handelsabkommen abgebildet werden. Freihandelsabkommen sind für den Wirtschaftsstandort Österreich wichtig, aber dürfen nur dann abgeschlossen werden, wenn sie fair und ausgewogen sind sowie unseren heimischen Qualitätsstandards entsprechen.“
„Wir sprechen uns weiterhin klar gegen das Mercosur-Abkommen aus. Das ist meine Position und dies entspricht auch dem Regierungsprogramm.“ Im Gegensatz dazu, spricht sich in Deutschland die Regierung klar für das Abkommen aus.
Die EU-Kommission versucht nun, den Pakt durch die Hintertür durchzupeitschen – mit Hilfe juristischer Spitzfindigkeiten. Sie will damit das Nein einzelner Mitgliedsstaaten wie Österreich umgehen.“
Der Pakt für Mercosur ist wie ein trojanisches Pferd. Es mag auf den ersten Blick vorteilhaft aussehen, aber ist mit den beschlossenen Nachhaltigkeitszielen nicht vereinbar. Quelle: Landwirtschaftsministerium
„Handelsabkommen wie CETA, TTIP und Mercosur bringen den Todesstoß für den stark geschrumpften Bauernstand. Mit ihrem riesigen agrarischen Potenzial und Reserven an Grund und Boden, sind die Farmer in Übersee jederzeit in der Lage unsere Märkte zu fluten und unsere Standards und Preise zu unterlaufen. Insbesondere die Österreichischen Strukturen sind im Vergleich zu Südamerika geradezu unbedeutend. Im Übrigen sind die Farmer längst nicht mehr Besitzer ihres Landes, bestenfalls noch Verwalter.“ Hr. Riautschnig: Bauern im Untergang
Eine resiliente Landwirtschaft baut auf Vielfalt und Versorgungssicherheit auf. Freihandel von agrarischen Gütern gefährdet eben diese. Im Regelfall führt vermehrter agrarischer Freihandel kurzfristig zu Wohlstand in den exportierenden Ländern. Angebaut werden vermehrt „Cash-Crops“ – also Güter, welche gute Gewinne im Export bringen. Langfristig stirbt in den teilnehmenden Ländern die Vielfalt und diese Länder werden zunehmend von Lebensmittelimporten abhängig. Kleinbauern geben auf und werden von Agrarholdings übernommen.
Mathias Binswanger gibt im Buch „Mehr Wohlstand durch weniger Agrarfreihandel“ sehr gute Einblicke zu dem Thema.
Abschließend sollten wir uns folgende Fragen stellen:
● Wie stehen die Chancen, dass die europäische Wirtschaft tatsächlich von dem Abkommen profitiert? – Oder ist es ein letztes Aufbäumen, bevor Indien und China uns endgültig abhängen?
● Werden Österreichs Bäuerinnen und Bauern vorwiegend zu Landschaftspflegern für den Tourismus? Oder anders gefragt: Wer sonst könnte diese Tätigkeiten übernehmen und zu welchem Preis?
● Ist ein Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln im heutigen Europa noch erstrebenswert und warum? Gerade die österreichische Landwirtschaft kann nicht zu Weltmarktpreisen produzieren. Die kleinen Strukturen und die Topographie machen dies unmöglich.
Lohnt es sich überhaupt noch, Lebensmittel in diesen Strukturen zu produzieren, wo doch andere Länder und Kontinente wesentliche komparative Vorteile haben?
● Wie schnell kann eine Selbstversorgung mit Lebensmitteln wieder hochgefahren werden, falls dies nötig sein sollte?
● Wenn kleinbäuerliche Familienbetriebe vermehrt aufgeben – welche Auswirkungen hat dies gesamtgesellschaftlich? Was geht verloren?
● Landwirtschaft funktioniert nur selten nach Lehrbuch und Erfahrungswerte kommen nicht von heute auf morgen wieder. Wie schwierig ist es, von einer Cash-Crop orientierten Landwirtschaft zurück zu einer landwirtschaftlichen Vielfalt mit hohem Eigenversorgungsgrad zurückzugehen?