Pädagogin und Erwachsenenbildnerin, Psychotherapeutin, Mediatorin, Kommunikationstrainerin für bäuerliche Familienunternehmen
Im landwirtschaftlichen, dörflichen Umfeld ist es schon ein wenig verwegen, auch einmal etwas anders zu machen, seine eigenen Überzeugungen auch zu leben. Wer sich Freiräume schaffen will, und sei es nur um 10 Uhr Vormittag eine Joggingrunde zu machen, tut gut daran, sich jemand zweiten für diese Unternehmungen zu suchen. Hier darf es ruhig manchmal heißen, Sch… dir nix! Gerade Bäuerinnen und Bauern stellen oft das Thema Leistung in den Vordergrund. Dabei wäre es wichtig, mit Selbstbewusstsein auch für „MICH“ einzustehen und darauf zu schauen, dass meine Lebensqualität stimmt!
Ja und Nein. Ich finde, es gibt ganz viel Vertrauen. Gerade auf Bauernmärkten wird das erlebt – das ist vielleicht ein wenig elitär und hier wäre es sicher gut, noch mehr Breitenwirkung zu erzielen.
Durch die verunsicherte Zeit in den letzten Jahren hat sich ein gewisses Misstrauen wohl generell in der Gesellschaft etabliert. Das würde ich nicht auf die Landwirtschaft begrenzen. Unsere Produkt- und Wohlstandsgesellschaft fordert zum Beispiel mehr Tierwohl, was einerseits durch Aktivitäten gewisser Tierschutzorganisationen eher unangenehm für Bäuerinnen und Bauern sein kann, andererseits aber auch dazu anspornt, noch mehr darauf zu achten, dass es den Tieren auch wirklich gut geht.
„Gleichmacherei“ ist immer eine Gefahr, gerade auch wenn es um die Landwirtschaft geht. Darum finde ich auch die Arbeit von Organisationen wie eurer zum Beispiel mit „Ohne Herkunft, keine Zukunft“ so wichtig. Denn ihr zeigt, dass zwar einiges nicht so leicht ist – UND gleichzeitig gibt es Gestaltungsraum und Freiheit und Lust darauf, etwas zu machen!
Betriebe können hier aktiv etwas tun, und selber einen Beitrag zur Kommunikation mit den Konsumenten leisten. Sei es durch „Schule am Bauernhof“, „Green Care“, „Urlaub am Bauernhof“ oder auch durch die Direktvermarktung. Aber immer so, dass es zu einem selber passt. Viele Puzzleteile ergeben das ganze bunte und dann stimmige Bild.
Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Einer davon ist meist, das Level halten zu wollen – es soll bleiben, wie es ist.
Die Angst an sich ist ein Urthema der Menschen und kann durchaus zu Höchstleistungen anspornen. Sind wir aber von Angst dauernd getrieben, verzerrt sich nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch das Denken kann sich komplett verändern. Wird Angst zum täglichen Begleiter, wird auch die Handlungsfähigkeit eingeschränkt und geschmälert. Ich bin nur mehr in einer gewissen Sequenz handlungsfähig und nicht mehr in der ganzen Breite.
Ich sehe es als hilfreich wirklich darauf zu achten, ob mir mein Tun auch Freude bereitet. In Firmen wird oft eine Reflexionsschleife eingelegt. Das heißt, von Zeit zu Zeit einfach auch mal Inne zu halten und zu überprüfen: Wo steht unser Betrieb? Sind wir noch dort, wo wir eigentlich sein möchten? Aus meiner Sicht braucht es unbedingt auch ein Leben außerhalb dieses Wirkbereiches, da man den Arbeitsplatz faktisch ja nie verlässt. Hier heißt es genau hinschauen: Wo kann ich mich auch einmal abgrenzen? Was erfreut mich, was macht mich glücklich? Welche Menschen tun mir gut?