Was uns Bewegt

Herkunftskennzeichnung…

…wozu eigentlich?

Die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln bleibt ein vielbesprochenes Thema. Doch wenn es um die Umsetzung geht, dann hapert es.

Ein Schlagwort, viel diskutiert. Wenig praktisch verwirklicht.

Warum reden wir überhaupt über Herkunft? Weil Herkunft Ordnung schafft. Weil Herkunft Orientierung gibt. Weil Herkunft erklärt, wo etwas herkommt.

Transparenz ist kein Luxus. Sie ist eine Grundlage für Vertrauen. Es wird gerne von Regionalität, Nachhaltigkeit und Werten geredet. Es werden schöne Sonntagsreden über Respekt vor Lebensmitteln gehalten. Doch oft bleiben diese Worte nur — Sonntagsreden. Draußen auf dem Feld zählt etwas anderes: Tun. Vollenden. Verantwortung tragen. Das ist die eigentliche Moral des Landlebens: nicht das große Wort, sondern die kleine Tat, die jeden Tag wiederholt wird.

Wer weiß, wo sein Essen herkommt, kann besser entscheiden — aus ethischen, ökologischen oder wirtschaftlichen Gründen. Herkunftskennzeichnung schafft Entscheidungsfreiheit. Sie nimmt niemandem die Wahl. Sie macht die Wahl nur möglich, sondern sinnvoll.

Und noch etwas: Herkunft verbindet. Sie schafft Identität. Für ländliche Regionen ist sie ein Instrument gegen Entleerung. Sie bringt Tourismus, Direktvermarktung, Kooperationsmöglichkeiten. Sie ist kein Dogma, sie ist Infrastruktur.

Kritiker warnen: Herkunftskennzeichnung führe zu Protektionismus oder schränke den Handel ein. Das ist naheliegend — und leicht zu entkräften: Information schützt die Wahl, sie beschränkt sie nicht. Wer regional kaufen will, soll das tun. Wer global einkaufen will, soll das können. Aber wer sich für Herkunft interessiert, muss es auch erfahren können.

Am Ende geht es um Respekt. Respekt vor Arbeit, vor Landschaft, vor Kultur. Herkunftskennzeichnung ist ein Ausdruck davon. Nicht mehr, nicht weniger. Sie sagt: Ich will wissen. Ich will Verantwortung übernehmen. Ich will, dass die Entscheidung über meinen Einkaufswagen eine echte ist.

Wir sollten also aufhören zu fragen, ob Herkunftskennzeichnung eine Luxusforderung ist. Sie ist eine demokratische Forderung. Sie ist ein Instrument der Mündigkeit. Wer das ablehnt, argumentiert gegen Transparenz — und damit gegen die Basis jeder modernen Konsumentenbeziehung.

Informieren statt vorschreiben. Wertschätzen statt romantisieren. Unterstützen statt symbolisch bekennen. Dann wird Herkunftskennzeichnung mehr als ein Aufkleber auf einer Packung. Dann wird sie zum Anfang echter Wertschöpfung — für die Bäuerinnen und Bauern, für die Regionen und für uns alle.

Wenn wir wieder lernen, Herkunft zu schätzen, dann geben wir unserer Landwirtschaft, unseren Regionen und den bäuerlichen Familien eine echte Zukunft. So schaffen wir echte Wertschätzung für Lebensmittel, für die Menschen, die sie erzeugen, und für unsere Umwelt. Nur wenn wir als Gesellschaft Verantwortung übernehmen und bewusst einkaufen, kann Landwirtschaft eine Zukunft haben – unsere Zukunft.“

Wer einkauft, soll die Wahl haben.

Herkunftskennzeichnung macht das möglich. Und das ist genug Grund, es endlich umzusetzen.

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Herkunftskennzeichnung Maria Radler