„Schwierige Zeiten schaffen starke Persönlichkeiten“ dieser Spruch beschreibt Thomas Koch durchaus. Wir haben diesem echten „Charakterkopf“ ein paar Fragen gestellt…
Thomas Koch: Die größte Stärke der österreichischen Landwirtschaft sind die kleinstrukturierten Einheiten. Da stehen Familien dahinter, Personen, die sich voll und ganz mit dem eigenen Betrieb identifizieren und selbst täglich anpacken. Solche Akteure braucht es, damit wir eine Einheit bilden können aus Konsumenten, Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus. Es sind auch diese bestehenden Strukturen, die wir nutzen sollten – es ist schon alles vorhanden, aber wir müssen die Brücken zwischen den Menschen bauen, damit sie auch lebendig werden. Dafür braucht es Sichtbarkeit. Damit meine ich, dass wir die landwirtschaftlichen Betriebe vor den Vorhang holen, ihnen ein Gesicht geben. Viele Konsumenten kennen die Bauern in ihrer Umgebung gar nicht mehr. Da muss man gar nicht groß denken – da sollte jeder in seiner Gemeinde damit anfangen. Bei uns in Moosburg wollen wir damit bereits loslegen. Da stellen wir in der Gemeindezeitung immer einen Hof und die Familie vor – nicht nur die Direktvermarkter, schließlich ist jeder Hof wichtig. Ohne Landwirtschaft gibt es nichts. Wir erzeugen die LEBENSmittel, die Mittel zum Leben, die unsere Gesellschaft am Leben halten. Das kann man nicht oft genug betonen – denn vielen scheint das immer noch nicht bewusst zu sein.
Global gesehen ist die österreichische Landwirtschaft – und das muss ich knallhart sagen – unbedeutend. Für Österreich bedeutet sie alles: Denn eine Gesellschaft ohne Landwirtschaft ist arm dran. Ich lebe nach dem Motto: Wir können nicht die ganze Welt ernähren, aber wenn jeder seinen Nachbar ernährt, dann ist die ganze Welt satt.
Wir sind nur ein kleiner Hof, aber es gibt den Betrieb schon Jahrhunderte. Das war so und soll auch so bleiben. Ich bin stolz auf unseren Hofnamen: vulgo Witternig. Das bedeutet so viel wie: Der im Wind steht. Das passt ganz gut zu unserer Philosophie: Wir lassen uns nicht verbiegen und produzieren ehrliche Produkte vom Schaf – Lammfleisch, Wolle, Felle, die wir auch in unserem BauernHof-Laden verkaufen. Heute haben wir eine rund 800-köpfige Schafherde. Die habe ich zusammen mit meiner Familie aufgebaut, nachdem ich meinen Beruf als Intensivpfleger im Krankenhaus krankheitsbedingt aufgeben musste. Die Schafe haben mich gerettet und mir einen neuen Sinn im Leben gegeben. Dass daraus einmal eine Einladung zu einem Gastkommentar wird oder wir gar ein Buch schreiben, das konnte niemand ahnen, aber ich bin sehr dankbar dafür.
Zukunft ist ein abstrakter Begriff, den ich weit weniger schätze als das JETZT. Ich lebe heute, und nur heute kann ich die Welt verändern zu einer, in der die Landwirtschaft wieder den Stellenwert hat, der ihr zusteht. Ich wünsche mir in jedem Bundesland ein Schafkompetenzzentrum. Schafe sind so vielseitige Tiere, die uns Milch, Wolle und Fleisch geben und nebenbei noch zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen. Sie sind sogar mit modernen Energiekonzepten wie den Photovoltaikanlagen kombinierbar. Dabei ist es jedoch entscheidend, diese Anlagen dort aufzubauen, wo Schafe bereits weiden – nicht auf den Ackerflächen, sondern den extensiven Standorten. Das würde die Produktivität der Landwirtschaft insgesamt steigern. Dazu möchte ich heute schon meinen Beitrag leisten.
Nachhaltigkeit leben wir auf unserem Hof, indem wir den Großteil der Futtermittel selbst erzeugen, was wir zukaufen müssen, das kaufen wir in der unmittelbaren Umgebung, bei Nachbarn und Bekannten. So halten wir die Wertschöpfung in der Region und die Region am Leben. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, dass wir unsere Tiere nach dem Prinzip „From nose to tail“, also von der Nase bis zum Schwanz, so gut wie möglich verwerten. Tiere sind zu wertvoll, um nur die Edelteile davon zu nutzen. Wolle, die nicht zum Verspinnen geeignet ist, wird zu Schafwolldünger gepresst, der im Garten wahre Wunder vollbringen kann. Selbstverständlich ist für uns auch, dass wir in unseren Abläufen versuchen, Müll so gut wie möglich zu vermeiden. Dieses Zero-Waste-Prinzip geben wir auch an unsere Kunden weiter. Viele kommen schon mit eigenen Behältern zu uns in den Hofladen. Das mögen vielleicht nur kleine Bausteine sein, aber wenn das viele so machen, dann wird Nachhaltigkeit zum flächendeckenden Phänomen. Jeder ist gefragt, selbst nachzudenken, sein Umfeld zu gestalten und zum Vorbild zu werden.
Thomas und Gerhild Koch betreiben in der Gemeinde Moosburg in Kärnten einen Schafbetrieb mit etwa 300 Mutterschafen und Direktvermarktung. Im Herbst 2023 veröffentlichten sie gemeinsam mit zwanzig Mitautoren das Buch „Alles vom Schaf! Erfolgreich produzieren & direkt vermarkten“ im Leopold Stocker Verlag.